Berufspolitische Forderungen der DRK-/BRK-Schwesternschaften

Deutschland wählt am 26. September einen neuen Bundestag.

Am 12. Mai, an dem Pflegekräfte und Berufsangehörige auf der ganzen Welt den „Internationalen Tag der Pflegenden“ feiern, hat der VdS in diesem Jahr – auch im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl – fünf Forderungen an die Politik formuliert.

Fünf politische Forderungen in 150 Sekunden.

Die berufspolitischen Forderungen der DRK-/BRK-Schwesternschaften
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Statements unserer Mitglieder und Auszubildenden

„Als der Aufruf von der Redaktion der ‚Rotkreuzschwester‘ zu einem Artikel über ‚die Forderungen der Pflege an die Politik‘ kam, war ich sofort von der Idee ergriffen, eine Umfrage unter unseren Mitgliedern zu starten und damit die essenzielle Meinung der betreffenden Berufsgruppe widergeben zu können.
Ich fertigte seitenweise Tabellen an, die ich in unseren Eigenbetrieben auslegte, auf denen die Mitglieder ihre Meinung äußern sollten. Nach drei Wochen war ich überrascht, dass meine Tabellen unausgefüllt zurückkamen. Ich sprach einige Mitglieder direkt darauf an und mir wurde schnell mein Fehler bewusst: Ich hatte gefragt: ‚Was wünscht sich die Pflege von der Politik, außer mehr Gehalt und einem höheren Personalschlüssel?‘ Ich wollte damit erreichen, dass die Mitglieder ihre Motivationen hinter den Begrifflichkeiten ‚Geld‘ und ‚Personal‘ erörtern. Im direkten Gespräch hörte ich dann heraus, was es bedeutet, wenn „Pflege“ mehr Geld und Personal möchte. Hier geht es nicht um die Bereicherung einzelner Personen, sondern um Anerkennung, Wertschätzung und Respekt einer ganzen Berufsgruppe gegenüber! Es geht nicht um die Reduzierung der Arbeitszeit, sondern darum, Kraft tanken zu können, um für viele da zu sein und dafür auch die benötigte Zeit zu haben.
Was sich unsere Mitglieder wirklich von der Politik wünschen, ist ein tiefes Verstehen und Begreifen darüber, was ‚Pflege‘ wirklich ist. Eine Reform der Pflege muss schon mit einer Aufwertung der Ausbildung anfangen. Eine ernstzunehmende Wertschätzung wäre zum Beispiel die staatliche Kostenübernahme von Fort-, Aus- und Weiterbildungen zur Spezialisierung und zum Erhalt von Fachwissen. Durch die Aufwertung der Ausbildung erfolgt eine zunehmende Anerkennung der zu leistenden Arbeiten, was sich in der Bezahlung und Refinanzierung der Kosten wiederspiegeln muss. Verständnis und Akzeptanz für die Leistungsbereitschaft von Pflegepersonal schafft den nötigen Respekt mit der Ressource ‚Pflegepersonal‘ achtsam und nachhaltig umzugehen und setzt damit in der gesamten Pflege einen neuen qualitativ hochwertigen Standard, wie er in einem wohlhabenden Industriestaat wie Deutschland doch zu erwarten wäre. "

Vanessa Nauenburg, Datenschutzbeauftragte, Personalabteilung, Projektmanagement – DRK-Schwesternschaft Elsa Brändström e.V.

„Pflege braucht kompetenten Nachwuchs! Dazu ist eine Aufwertung des Berufsimages nötig, um mehr junge Menschen für eine Karriere als Pflegefachkraft zu begeistern.“

Monika Bohnert, Einrichtungsleiterin Altenheim Rotkreuzstift – DRK-Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V.

„Pflege benötigt in der Gesellschaft einen anderen Status und viel mehr Anerkennung. Um die Berufe in der Pflege attraktiver zu machen, sollte z.B. spontanes Einspringen bei ausgefallenem Personal honoriert werden. Generell sollten die Honorare steigen, damit die Gesellschaft erkennt, dass das durchaus ein Job ist, der sich lohnt. Nicht nur für einen selbst, weil man von Herzen gerne den Bedürftigen hilft, sondern auch für den Geldbeutel.“

Astrid Breitmann, Pflegedirektorin DRK Krankenhaus Alzey – DRK-Schwesternschaft Rheinfpalz-Saar e.V.

„Die Besetzung auf den Stationen sollte so gut sein, dass man zufrieden nach dem Dienst nach Hause gehen kann, da man weiß, man konnte alle Patienten/Bewohner nach bestem Wissen und Gewissen versorgen.“

Schwester Stephanie Balz, DRK Krankenhaus Alzey – DRK-Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V.

„Ich fordere die Politik auf, sich für eine angemessene und tarifliche Bezahlung für alle Pflegekräfte einzusetzen. Pflege muss gut bezahlt werden, damit die Menschen den Weg in die Pflegeausbildung finden und in ihrem erlernten Beruf bleiben. Die stetige Dauerbelastung, welche durch die Corona-Krise noch verstärkt wurde sowie eine schlechte Bezahlung führen dazu, dass die Pflegenden den Beruf verlassen.
Die Lösung an dieser Stelle kann und darf nicht sein, ausländische Kräfte, die beispielsweise über Anpassungslehrgänge den Weg in den Pflegeberuf finden, oder Pflegeassistent*innen mitzurechnen und die Personalzahlen in der Pflege damit ‚schön zu reden‘. Auch einmalige Bonuszahlungen bieten keine langfristige Perspektive.
Anerkennung des Pflegeberufs als wichtiger Pfeiler unseres Gesundheitssystems zeigt sich auch in Form von angemessener Bezahlung. Darüber hinaus müssen sich an die neue generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann gezielte Fachweiterbildungen anschließen. Die generalistische Ausbildung allein reicht nicht aus, Menschen gezielt für spezielle Fachbereiche wie beispielsweise die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege mit all ihrer Vielfältigkeit ausreichend zu qualifizieren.
Zu pflegende Menschen sind darauf angewiesen, dass sie von hoch qualifiziertem Personal versorgt werden. Des Weiteren müssen politische Entscheidungen wie zum Beispiel die Auflösung der Pflegekammer in Niedersachsen sehr gut durchdacht werden und Kurzschlusshandlungen müssen vermieden werden. Eine Pflegekammer ist für die Weiterentwicklung der Pflege von enormer Bedeutung und muss politisch gewollt und auch unterstützt werden.“

Denise Woelke, Lehrende an der Berufsfachschule der Universitätsmedizin Göttingen, Vorstandsmitglied – DRK-Schwesternschaft Georgia-Augusta e.V.

„Wir Pflegenden brauchen endlich eine Lobby! Eine hessische Pflegekammer würde allen zugutekommen, die in der Pflege tätig sind – egal ob in der ambulanten oder stationären Pflege. Wir müssen fair vertreten werden, es muss sich jemand für uns und unsere Interessen einsetzen. An den Lobbyisten der Autoindustrie zum Beispiel wird die Politik niemals vorbeikommen – deren Einfluss ist enorm. Eine bessere Lobby für die Pflege – das fände ich wichtig. Außerdem wünsche ich mir mehr Anerkennung für die Arbeit in der Altenpflege.“

Julia Hirsch, Pflegedienstleitung der DRK Ambulante Pflege Mittelhessen gGmbH – DRK-Schwesternschaft Marburg e.V.

"Hallo,
ich bin Azubi im zweiten Lehrjahr zur Pflegefachfrau. Nachdem ich als kompletter Quereinsteiger in einem Pflegeheim gearbeitet habe, habe ich schnell festgestellt, dass dieser Beruf genau das ist, was ich machen möchte und was mich erfüllt.
Nämlich, die Menschen, zu unterstützen, zu begleiten, zu beraten, ihre Ressourcen zu erhalten und sie auf dem letzten Weg, der vor Ihnen liegt, zu begleiten.
Natürlich zählt dazu auch die Beratung, Hilfestellung und Unterstützung der Angehörigen.
Für mich als Auszubildende ist es nicht leicht, gerade unter den bestehenden Voraussetzungen zu arbeiten. Ich habe immer das Gefühl, den Menschen nicht die Aufmerksamkeit geben zu können, die sie benötigen. Dies aufgrund von Personalmangel und krankheitsbedingten Ausfällen.
Mir ist bewusst, dass es in anderen Berufsgruppen ähnlich ist, dennoch finde ich, dass gerade die Pflegeberufe mehr von der Politik und der Gesellschaft unterstützt und wertgeschätzt werden sollten.
Ich werde oft gefragt, warum ich in der Pflege arbeite. Ich antworte immer das Gleiche. Ich möchte den Menschen helfen. Doch unter den Voraussetzungen, die von der Politik vorgegeben werden, kann man keinem mehr gerecht werden. Nicht mal einem selbst.
Wünschen würde ich mir, dass die Politik hellhörig wird und sich mehr für die Pflegekräfte einsetzt. Klar ist der Personalschlüssel auf einer Station so eingeteilt, dass es gut aussieht. Doch die Realität sieht leider anders aus. Daher würde ich mir wünschen, dass die erforderlichen Aufgaben zu bewältigen sind, auch wenn krankheitsbedingt Mitarbeiter ausfallen.
Jeder in der Pflege funktioniert nur noch wie eine Maschine und nicht wie eine Pflegekraft mit Herz. Das spüren auch die Patienten, Bewohner oder Klienten.
Oft höre ich: ‚Es tut mir Leid, dass ich ihre Hilfe benötige. Sie haben immer so viel zu tun.‘
Oder sie schränken ihre Bedürfnisse ein, um uns als Pflegekräfte zu entlasten.
Jeder Mensch hat ein Recht darauf, seine Bedürfnisse einzufordern. Doch leider können wir uns als Pflegepersonal nicht zerreißen. Denn wir sind keine Maschinen, wie schon gesagt.
Ich selbst musste als Auszubildende komplett mitlaufen und werde als volle Kraft eingesetzt. Das seit dem ersten Lehrjahr. Es gab sehr viele Krankmeldungen aufgrund der Überbelastung. Die Kranken kamen wieder und die Gesunden wurden krank. Es ist ein Kreislauf, der sich nie ändern wird, wenn sich nicht etwas an dem vorgegebenen Personalschlüssel ändern wird.
Um diesen Zustand zu ändern, ist es erforderlich, den Beruf in der Pflege attraktiver zu gestalten. Zum Beispiel durch eine angemessene Entlohnung für das, was man wirklich leistet in den Pflegeberufen.
Es geht nicht nur um Grundpflege oder Unterstützung, nein man ist Modeberater, Seelsorger, ein bisschen Freund und Begleiter auf dem letzten Lebensweg.
Gerade für Mütter mit Kindern ist es schwer, in der Pflege-Ausbildung Fuß zu fassen. Kinder werden häufiger krank und die Mütter fehlen häufiger. Ich würde mir wünschen, dass es für Mütter in der Ausbildung, die mit Kind krank zu Hause sind, spezielle Arbeitsaufträge im Schulblock gibt, damit sie nicht so viele Fehlzeiten haben, die auf die Krankheitstage der Mutter angerechnet werden.
Der Pflegeberuf ist einer der wichtigsten Berufe im System. Er hat mehr Anerkennung und Wertschätzung verdient und nicht nur ein ‚in die Hände klatschen auf dem Balkon‘ oder leere Versprechen, dass sich was ändern wird.
Es muss jetzt was passieren, damit die Pflege weiter lebt und man wieder gerne in dem Berufsfeld arbeiten möchte.
Liebe Politiker auch ihr werdet mal auf Unterstützung und Hilfe im Alter angewiesen sein, so wie wir selbst auch. Wollt ihr auch vernachlässigt werden? Sowohl bei der Grundpflege als auch emotional?"

Auszubildende, 2. Ausbildungsjahr, DRK-Akademie SH – DRK-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Wir fordern:
• Verpflichtende Einholung von Zeitarbeitsfirmen bei plötzlichem Personalmangel
• Verpflichtung zum Wochenend- und Feiertagszuschuss
• Privatisierung abschaffen
• Steuerfreie Überstunden-Auszahlung
• 40 Urlaubstage wegen der starken körperlichen und seelischen Belastung im Pflegeberuf
• Ehrenamtspauschale in der Pflege nach oben setzen
• Betreuungskräfte und Service als getrennte Tätigkeitsbereiche
• Vom BUND finanzierter besserer Personalschlüssel und damit mehr Zeit für die Bewohner
• Mehr Zeit für die Behandlungspflege, anstatt 3 Minuten für die Medikamentengabe
• Personalschlüssel, der an die Bewohner angepasst ist, sollte von jeder Einrichtung nachgewiesen werden und durch externe Instanzen kontrolliert werden
• Renteneintrittsalter für Pflegende 60 Jahre
• Überstundengrenze gesetzlich vorgeschrieben
• Gesetzlich festgeschriebene familienfreundliche und flexible Arbeitszeiten

Auszubildende einer Klasse im 3. Ausbildungsjahr Altenpflege, DRK-Akademie SH – DRK-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

„Seit Jahren gibt es Diskussionen, dass sich in der Pflege etwas ändern muss und spätestens die Pandemie hat diese noch angefeuert. Als ich mich einmal mit meiner Mutter über dieses Thema unterhalten habe, meinte sie: ‚Euch fehlt einfach die Lobby.‘ Erstmal ein komischer Gedanke, aber wenn man mal genauer drüber nachdenkt, scheint dies quasi der springende Punkt zu sein. Während Großkonzerne – nicht nur in der Pandemie – sehr stark bezuschusst werden, müssen Krankenhäuser mehr oder weniger alleine klarkommen. Es muss vielleicht nicht eine Lobby sein, aber die Gesundheit jedes Einzelnen sollte menschlich gesehen in der gesundheitlichen Versorgung im Vordergrund stehen.
Dies verbindet sich mit meinem nächsten Punkt: Kapitalismus. Geld regiert die Welt, das ist allen mehr oder weniger bewusst, dennoch sollte dies nicht in allen Bereichen das oberste Gebot sein. Es muss aufgehört werden, dass sogar im medizinischen Bereich gespart wird, was das Zeug hält, denn letztendlich fängt so auch die Pflege darunter zu leiden an. Denn jede Geschäftsführung – ob Krankenkasse, Medizinproduktehersteller oder sonstige Leitung – besteht aus Menschen. Menschen, die selbst ebenfalls gut und vor allem menschlich versorgt werden wollen, wenn es ihnen mal schlecht geht und sie im Krankenhaus liegen.
Und einen Punkt kann man immer nur wieder erwähnen: Die Bezahlung der Pflegekräfte. Sie sind 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr für das Wohlergehen ihrer Patienten im Einsatz, riskieren dabei tagtäglich ihre eigene Gesundheit und müssen sich immer wieder von Früh- auf Spät- und auf Nachtschicht umstellen. Es muss sich etwas ändern, denn eine bessere Bezahlung würde die Anerkennung und das Gefühl, eine sinnvolle Aufgabe zu übernehmen, noch einmal mehr unterstreichen.“

Auszubildender, 2. Ausbildungsjahr, DRK-Krankenpflegeschule Clementinenhaus – DRK-Schwesternschaft Clementinenhaus e.V.

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